Zurück zu News
Crunchyrollde

You and I Are Polar Opposites Synchronschauspieler Daniel Kirchberger & Anji iwata über die Unterschiede in ihrer Arbeit

Auf der AnimagiC hatten Fans die Möglichkeit, die Macher hinter einigen der bekanntesten Anime hautnah zu erleben und in Panels mehr über die Entstehung verschiedener Werke zu erfahren. Es ist allerdings ungewöhnlicher, dass ein deutscher Synchronschauspieler sein japanisches Geg…

You and I Are Polar Opposites Synchronschauspieler Daniel Kirchberger & Anji iwata über die Unterschiede in ihrer Arbeit

Auf der AnimagiC hatten Fans die Möglichkeit, die Macher hinter einigen der bekanntesten Anime hautnah zu erleben und in Panels mehr über die Entstehung verschiedener Werke zu erfahren. Es ist allerdings ungewöhnlicher, dass ein deutscher Synchronschauspieler sein japanisches Gegenüber kennenlernen kann. Dieses Jahr lud Crunchyroll Anji Iwata, den Synchronschauspieler hinter Yamada aus You and I Are Polar Opposites nach Deutschland ein, um sich dort mit Daniel Kirchberger auszutauschen, der die Rolle in der deutschen Synchronisation übernimmt.Bei dem Panel, das am AnimagiC-Sonntag im Crunchyroll Cinema stattfand, ging es aber nicht nur um die unterschiedlichen Herangehensweisen an den Charakter – Iwata, der im Zuge der Convention das erste Mal in Europa zu Gast war, wollte auch mehr über die Unterschiede zwischen Deutschland und Japan wissen.

Für Iwata und Kirchberger ist die Möglichkeit, den Synchronsprecher des gleichen Charakters zu treffen, in erster Linie natürlich eine wichtige Lernerfahrung. „Ich habe gelernt, dass Synchronarbeit in Deutschland ganz anders stattfindet“, sagte Iwata. Das liegt zum einen daran, dass japanische Synchronsprecher in Anime oft mit der Arbeit beginnen, bevor die Produktion des Anime selbst abgeschlossen ist. Mit ihrer Performance geben sie dem Produktionsteam eine Vorlage für die Gesichtsausdrücke und Bewegungen des Charakters. Daher sind Live-Gruppenaufnahmen nicht ungewöhnlich.Für Kirchberger, der den fertigen Anime als Vorlage nutzt, ist es an der Stelle natürlich interessanter, zu hören, was die Originalleistung beeinflusst: „Ich bin begeistert, dass ich die Person kennenlernen darf, die ich schon so oft gehört habe“, sagte Kirchberger. „Ich freue mich, dass ich ihn fragen konnte, wie er den Charakter handhabt.“

Image

Anders als Suzuki und Tani beginnt Yamada seine Reise in ***You and I Are Polar Opposites ***nicht in einer Beziehung. Stattdessen sehen wir, wie er und seine Schulkameradin Nishi sich langsam kennenlernen und dann schließlich ein Paar werden. Für Kircherberger und Iwata ist es aber wichtig, auch die unterschiedlichen Wege herauszuarbeiten, in denen der Charakter auch vor seiner Beziehung gewachsen ist.„Ich habe für Yamada wöchentlich aufgenommen, und als er das erste Mal auftaucht, kann man schon den Eindruck bekommen, dass er eher so ein einfacher, lockerer Typist“, sagte Kirchberger. „Aber ich habe dann von Woche zu Woche schnell gemerkt, dass er nicht nur ein stereotypischer, quietschfideler Nebencharakter ist, der zwischendurch mal einen Witz einwirft. „Deshalb ist der Unterschied zwischen Yamada in Staffel 1 und 2 nicht so groß.“Iwata bestätigt diese Ansicht, verrät aber auch ein interessantes Detail: „Ich hatte schon in Staffel 1 das Gefühl, dass ich mit Yamada einen Weg gehe und mich mit ihm entwickle, daher habe ich mein Spiel durchgehend angepasst“, erklärt er. „In Staffel 2 hat aber die Anzahl der inneren Monologe zugenommen.“

Image

Yamada und seine Freunde verbringen viel Zeit miteinander, sowohl im Klassenzimmer als auch in ihrer Freizeit. ***You and I Are Polar Opposites ***zeigt oft, wie wichtig und schön es sein kann, als Jugendlicher Zeit mit seinen Freunden zu verbringen. Leider fehlt vielen in der Realität die Zeit dazu, sich auf Sommerfestivals zu treffen oder vor dem Konbini abzuhängen, wie es Yamada und seine Freunde tun.„Ich habe meine ganze Schulzeit damit verbracht, zu lernen, und bin deshalb etwas neidisch auf Yamada“, erzählt Iwata. Das ergibt Sinn, denn japanische Schüler besuchen schließlich oft nach dem Unterricht noch Vorbereitungsschulen – alles, in der Hoffnung, an einer guten Universität angenommen zu werden. Auch für diejenigen, die eine Karriere als Synchronschauspieler anstreben, gibt es in Japan einige geregelte Wege: Agenturen betreiben Synchronschauspiel-Schulen, die Studenten gezielt auf den Beruf ausbilden. Daneben werden auch Wettbewerbe veranstaltet, die als Preis eine Rolle in einer Anime-Produktion ausschreiben. Trotz seines Neids auf Yamada sieht Iwata jetzt auch eine positive Seite: „Durch Yamada fühlt es sich fast so an, als erlebe ich diese Zeit selbst noch einmal.“

Image

Das drückt sich auch in Iwatas Beziehung zu seinen Synchronschauspieler-Kollegen aus. Auf die Frage, ob der Cast auch außerhalb der Arbeit befreundet sei, erzählt Iwata, dass er mit seinen Kollegen bereits Bibimbap essen war, nachdem der Vorschlag in einer der ersten Folgen von ***You and I Are Polar Opposites ***aufkam. Die Gruppe war auch schon zusammen bowlen.Dass Daniel Kirchberger leider keine ähnlichen Erfahrungen teilen kann, ist den Unterschieden geschuldet, die es zwischen den japanischen und deutschen Aufnahmeprozessen gibt. „In Deutschland ist der Ablauf sehr strikt, deshalb kann nicht zusammen aufgenommen werden“, sagte er, fügt aber hinzu, dass alle deutschen Synchronschauspieler der Serie den Ablauf gespannt mitverfolgen.

Image

Da ***You and I Are Polar Opposites *den japanischen Schulalltag abbildet, möchte Iwata von Kirchberger wissen, was es für Unterschiede zwischen dem japanischen und dem deutschen Schulsystem gibt. Die Schulclubs, durch die japanische Schüler etwa einer Band beitreten oder Sport treiben, gibt es in Deutschland zwar auch, sie sind allerdings deutlich weniger verbreitet – für Kirchberger war die Idee Neuland. Was er für besonders deutsch hält, ist die Angewohnheit, für verschiedene Aktivitäten Tische und Stühle zu verschieben. Als Beispiel nennt er die bekannte U-Form beim gemeinsamen Frühstück.Aber Kirchberger verrät auch, dass er nicht unbedingt ein typischer Schüler war, da er bereits mit 11 Jahren anfing, als Synchronsprecher zu arbeiten. Heute kennt man ihn neben Yamada unter anderem auch als Boruto aus Boruto: Naruto Next Generations, Kenjiro Minami aus Yuri!! On ICE, Pax Shirone aus Mushoku Tensei: Jobless Reincarnation **sowie zahlreiche Synchronsprecher-Rollen aus Filmen und Hörspielen. Wie Iwata entschied auch Kirchberger sich nach der Schule bewusst für die Karriere als Synchronschauspieler, und hatte daher wenig anderes im Blick.

Image

„Ich hätte gerne einmal einen dieser typischen Jobs gehabt, die man als Jugendlicher hat, Zeitungen austragen zum Beispiel“, lachte er. „Wenn ich kein Synchronsprecher wäre, würde ich gerne etwas mit Menschen machen, etwas Medizinisches vielleicht.“Iwata schätzt am Schauspielern, dass es ihm ermöglicht, viel über das Leben und die Berufe anderer Menschen zu lernen, indem er sich in verschiedene Charaktere hineinversetzt. „Man fuchst sich schon quasi in andere Berufe hinein“, sagte er, und ergänzte, dass er sich deshalb gut einen Beruf vorstellen kann, in dem es darum geht, etwas zu lernen, zum Beispiel in der Forschung.Zum Abschluss des Panels wiederholen beide Schauspieler, dass es eine einzigartige Erfahrung ist, voneinander lernen zu können und die Kultur des anderen – wenn auch kurz – kennenlernen zu dürfen. „Man sieht an so einem Panel, dass das Interesse an meinem Beruf nach wie vor riesengroß ist“, sagte Kirchberger. „Ich freue mich riesig, denn das gibt mir die Möglichkeit, Details über meinen Beruf zu teilen. Das mache ich besonders gern.“