Smoking Behind the Supermarket with You und der Wert einer Pause
Anime bringen uns bei, die schwierigen Zeiten auszuhalten – egal, ob es darum geht, deinen Partner kennenzulernen und auch bei Missverständnissen füreinander da zu sein wie Suzuki und Tani in You And I Are Polar Opposites, oder es in einem Turnier ganz nach oben zu schaffen wie d…

Anime bringen uns bei, die schwierigen Zeiten auszuhalten – egal, ob es darum geht, deinen Partner kennenzulernen und auch bei Missverständnissen füreinander da zu sein wie Suzuki und Tani in You And I Are Polar Opposites, oder es in einem Turnier ganz nach oben zu schaffen wie der Karasuno-Volleyballclub in Haikyu!!, die Charaktere und Zuschauer müssen daran glauben können, dass harte Arbeit und Durchhaltevermögen zum Erfolg führen können. Aber nicht jeder ist für Großes bestimmt. Manche Menschen eben einfache, beinahe langweilige Leben. Diese Menschen müssen ihr Glück im Kleinen finden, zum Beispiel durch eine Pause von allem, was ihnen zu schaffen macht.
Eine solche Person ist der Büroangestellte Sasaki (nicht zu verwechseln mit dem anderen Büroangestellten Sasaki, dem besten Freund von Peeps) in Smoking Behind the Supermarket with You. Sasaki verbringt die meiste Zeit des Tages auf der Arbeit in der ironisch genannten Firma Lebensfroh, wo er Tabellen tabelliert oder was man sonst noch so Wichtiges auf der Arbeit macht. Wie viele einfache Büroangestellte wird Sasaki öfter mal für Dinge, für die er nichts kann, von seinem Vorgesetzten zur Sau gemacht. Am Ende des Tages macht er sich langsam und oft laut seufzend auf den Weg nach Hause.
Aber Sasaki schätzt die einfachen Dinge im Leben. Dadurch findet er Zuflucht im Lächeln von Yamada, einer jungen Kassiererin in seinem lokalen Supermarkt. Wann immer Sasaki Aufmunterung braucht, besucht er den Supermarkt, stellt sich an Yamadas Kasse an und erfreut sich einfach an ihrem sonnigen Lächeln. An einem solchen Tag entscheidet er sich nach dem Besuch im Supermarkt dazu, sich ein stilles Plätzchen zum Rauchen zu suchen und wird von der cool aussehenden Tayama herangewunken. Die beiden unterhalten sich, und bald hält Sasaki mindestens genauso oft nach Tayama Ausschau wie nach Yamada. Dabei fällt ihm nie auf, dass er die beiden nie zusammen im Supermarkt erwischen kann…

Ich möchte eine Sache klar machen: ***Smoking Behind the Supermarket with You ***ist keine Tabakwerbung. Im ersten Band des Manga erzählt Autorin Jinushi, dass sie einfach dachte, dass Leute, die rauchen, cool aussehen und, dass sie solche Menschen selbst zeichnen wollte. Das ist zwar auch nicht unproblematisch, aber in ***Smoking Behind the Supermarket with You ***geht es eigentlich nicht ums Rauchen an sich. Rauchen wird als ein Weg eingesetzt, um zwei Fremde zu verbinden und ihnen eine Auszeit von der Welt zu ermöglichen, auch wenn das heißt, dass sie ihr Laster verstecken müssen. Ihre Pause ist in diesem Szenario das wirkliche Laster, denn in Japan, wo es immer noch Hotelzimmer für Raucher und Rauchersitze in Restaurants gibt, ist es einfacher, einen Platz zum Rauchen zu finden, als es sich zu erlauben, sich einfach mal über etwas zu beschweren.
Sasaki freut sich nicht aufs Rauchen – das kann er auch auf der Arbeit, und dort scheint er immer etwas fehl am Platz zu sein, als sich die anderen tagaus tagein über die Arbeit beschweren, anders als wenn er sich mit Tayama trifft. Alles einfach mal rauszulassen kann sich auch sehr gut anfühlen, aber es ist keine Pause von den Sorgen, die man hat. Mit Tayama muss Sasaki die Rolle des fleißigen Arbeiters nicht aufrechterhalten. Er muss sich auch nicht an die Regel des japanischen Soziallebens halten, dass man seine Gefühle nicht frei zeigen darf. Das er das mit Tayama tut, macht die Raucherpause für Sasaki zum emotionalen Rückzugsort.

In der heutigen Gesellschaft kann es sich anfühlen, als ob es unmöglich ist, eine Pause einzulegen. Japan insbesondere ist ein Land, in dem harte Arbeit nicht nur wertgeschätzt sondern erwartet wird. Lange Arbeitszeiten, obligatorische Drinks mit dem Chef und wenig Anerkennung können selbst bei gefestigten Arbeitern zu Burnout oder gar zum karoshi führem, dem Tod durch Überarbeitung. Die japanische Regierung hat viel unternommen, um gegen Letzteres anzukommen, aber viele Menschen definieren sich immer noch über ihre Rolle am Arbeitsplatz. Das macht es natürlich umso schlimmer, wenn die Dinge dort wirklich schlecht laufen.
Yamada ist eine Ruheoase für Sasaki, aber auch sie musste hart an sich arbeiten, um mit ihren Fähigkeiten im Kundenservice an diesen Punkt zu kommen. Das bedeutet, dass sie genauso viel Arbeit in in ***Smoking Behind the Supermarket with You ***aufwendet wie die jüngeren Charaktere, die ich zu Anfang genannt habe. Sie repräsentiert Japans strengen Glauben an Gastfreundschaft und die Idee, dass ein freundliches Lächeln jemandem den Tag versüßen kann. Der Kunde ist immer König. In Sasakis Büro ist der unaushaltbare Chef der König seiner Domäne, Yamada hingegen muss sich mit anmaßenden Kunden herumschlagen. Egal, wer du bist und wo du arbeitest, ***Smoking Behind the Supermarket with You ***zeigt, dass es jedem mal zu viel werden kann. In diesem Anime geht es nicht um Entspannung im engsten Sinne, wie das zum Beispiel bei Animes über Urlaub der Fall ist. Es geht eher darum, dass viele Menschen in ihrem alltäglichen Leben aus verschiedenen Gründen an ihre Grenzen kommen können und als Antwort darauf aber nichts Neues geschieht. Man fängt kein neues Hobby an, wandert aus oder wird von Truck-kun erwischt. Man kann einfach über Zeit müde werden, oder den Spaß an seiner Arbeit verlieren, und der erste Schritt für viele ist eben nicht, sofort alles umzukrempeln, sondern erst einmal mit jemandem darüber zu reden. Das wird zum Kern von Sasaki und Tayamas Beziehung.

Tayama und Sasakis Beziehung vertieft sich, da ihre Pläusche ein Mix aus Flirts und ernsten Themen sind. Sie bieten einander Unterstützung. Auch wenn der Fokus öfter darauf zu liegen scheint, dass Sasaki Unterstützung braucht, ist er selbst Tayama aber auch eine große Stütze – obwohl er viel seufzt, ist er ein grundoptimistischer, empathischer Mensch. Er mag etwas tollpatschig sein und nicht immer die richtigen Worte finden, aber er kann andere auf eine Art unterstützen, auf die er sich selbst nicht unterstützen kann. Das liegt zum Teil daran, dass er älter und weiser als Tayama ist, auch wenn man ihm das nicht sofort anmerkt. Der Kontrast zwischen dem Angestellten, der oft nicht weiß, was er tun soll und dem Mann, der Tayama mit seiner ehrlichen Art überrascht, wäre fast genug, um ihm einen Platz in der Liste der unschuldigsten Anime-Charaktere zu geben. Aber Sasaki weiß schon, wo es bei ihm verkehrt läuft. Er merkt, wenn Tayama ihre Späßchen mit ihm treibt und wenn man ihm auf der Arbeit etwas aufdrückt, weil er nicht nein sagen kann. Sasaki erkennt, was andere Menschen brauchen genauso gut, wie er weiß, was er selbst braucht. Es ist nur oft schwierig, sich das, was man braucht, auch zu nehmen.
Das zeigt, dass selbst Menschen, die gut darin sind, andere zu unterstützen und welche die emotionale Intelligenz besitzen und wissen, was sie brauchen, trotzdem jemandem um Hilfe bitten müssen. Niemand auf der Welt kann immer alleine sein, und ***Smoking Behind the Supermarket with You ***zeigt, was für einen Unterschied es machen kann, wenn man die guten und schlechten Zeiten mit jemandem teilen kann.